Brauerei Witzgall: Dunkle Holzdecken, helle Lampen und Vollbier-Legende in Schlammersdorf

Brauerei Witzgall von FrankenBierFreund

Das jüngste Franken-Wochenende mit meinem exil-fränkischen Kumpel startet am vergangenen Freitag in Forchheim. Per Bus fahren wir raus Richtung Nordwesten nach Schlammersdorf – ein Kirchdorf, das zur Gemeinde Hallerndorf gehört. Dort peilen wir nach 20 Minuten Fahrt eine wahre oberfränkische Institution an: Die örtliche Brauerei Witzgall, der wirklich ein Ruf wie ein Donnerhall vorauseilt – für mich eine Premiere nach mehr als drei Jahren Frankenbier-Leidenschaft, auf die ich mich seit langem gefreut habe.

Wappen Brauerei Witzgall von FrankenBierFreundDer Witzgall liegt in einer Linkskurve, rechter Hand die Brauerei, links die Gaststätte, dazwischen der überdachte, aber eher unspektakuläre Außenbereich. Wir waren gut zwei Stunden früher schon mal mit dem Auto vor Ort und haben zwei Mischkästen mit den beiden Suden der Brauerei Witzgall, nämlich Voll- und Landbier besorgt. Natürlich haben wir leere Euroflaschen parat – denn nur dann kann man die seltenen und zugleich hochbegehrten Gerstensäfte vor Ort kaufen. Vollgut im Tausch gegen Leergut, sozusagen.

Zurück an jenem Abend in Schlammersdorf wollen wir aber auch noch ein paar Seidla vom Fass genießen. Weil es an diesem trüben Augusttag leider eher regnerisch-ungemütlich ist, begeben wir uns direkt nach drinnen. Der Gastraum der Brauerei Witzgall begrüßt uns mit dunklen Holzdecken, hellen Lampen darunter und Holztischen mit weißer Resopaloberfläche. Zudem ist er gut gefüllt, daher setzen wir uns an den Tisch direkt vor dem Ausschank – es könnte einen schlechter treffen.

Brauerei Witzgall Schlammersdorfer Vollbier von FrankenBierFreundDas erste Vollbier lässt auch nicht lange auf sich warten, frisch gezapft von Juniorchefin Sandra Witzgall. Uns bleiben bis zur Rückfahrt mit dem letzten Bus nach Forchheim nur knapp anderthalb Stunden; also müssen wir uns „a weng“ beeilen. Irgendwelches Essen bietet die Gastwirtschaft nicht an; dafür können Gäste hier – ähnlich wie bei der Brauerei Heckel in Waischenfeld – ihre eigene Brotzeit mitbringen und vor Ort verzehren.

Wir wollen uns aber heute nur aufs flüssige Brot konzentrieren. Aus der Flasche habe ich Schlammersdorfer Vollbier und Landbier bereits Ende 2024/Anfang 2025 bei mir in Köln verkostet. Im Ausschank vom Fass direkt bei der Brauerei Witzgall vor Ort gibt es nur ersteres – es läuft wunderbar und schmeckt ähnlich würzig, wie ich es in Erinnerung habe. Entsprechend schnell leeren sich der erste und auch der zweite Glaskrug.

Brauerei Witzgall Erich Witzgall von FrankenBierFreundIrgendwann taucht Seniorchef Erich Witzgall hinter der Theke auf, zapft sich selbst ein Bier – und bald auch zwei für uns. Ein paar Sprüche später, vermutlich vor allem dank des lokalen Idioms meines fränkischen Kumpels, setzt er sich direkt zu uns an den Tisch und erzählt einige Anekdoten aus seinem Leben.

Nach einem Elektrotechnik-Studium an der RWTH Aachen – übrigens auch meine eigene Alma Mater – hat er jahrzehntelang in der Antriebstechnik bei Siemens in Erlangen gearbeitet und U-Bahnen in alle Welt verkauft. Deswegen war er in den 70er Jahren unter anderem im indischen Kalkutta unterwegs und berichtet von seiner abenteuerlichen Anreise via Delhi dorthin. Als die nächste Halbe eintrifft, fragt mein Kumpel höflich, ob er uns beide fotografieren dürfe – was er ebenso höflich bejaht.

Brauerei Witzgall Tauchsieder von FrankenBierFreundSeine Schwester Elisabeth, die ihr eigenes Bier auch gerne mal mit dem Tauchsieder neben der Theke erwärmt, bedient derweil die anderen Gäste der Brauerei Witzgall und setzt sich an den Stammtisch neben uns zu den Stammgästen.

Die Brauerei Witzgall macht ihrem Kultstatus mit dunklen Holzdecken, hellen Lampen und extrem leckerem Schlammersdorfer Vollbier wirklich alle Ehre.

Irgendwann müssen wir aufbrechen, es stehen 22,40 Euro für acht Halbe auf dem Deckel – macht 2,80 Euro pro Seidla. Da kann man wirklich nicht meckern, ganz im Gegenteil: Bei der Brauerei Witzgall in Schlammersdorf ist die Welt echt noch in Ordnung.

In diesem Sinne – wohl bekommt’s.
Alaaf & Jrooß us Kölle!

Weitere Informationen: Braurei-Gaststätte Witzgall

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