
Servus liebe Frankenbier-Gemeinde,
am ersten Abend unseres Franken-Kurzurlaubs Ende August wechseln mein fränkischer Kumpel und ich gegen 22 Uhr in Forchheim vom Hebendanz zwei Häuser weiter zum lokalen Rivalen, nämlich zur Gaststätte der Brauerei Neder, die – wie ich kurz vorher persönlich sondiert hatte – noch länger geöffnet hat. Übrigens eine weitere Premiere für mich an diesem Wochenende – und vielleicht ja sogar zufällig eine der letzten Gelegenheiten, aber dazu später mehr.
Ähnlich wie andere fränkische – und auch kölsche – Brauhäuser wartet die Gaststätte der Brauerei Neder mit allen Insignien einer altehrwürdigen Braustätte auf: Ein alter Kutschengang als Eingang mit einem Ausschankfenster aus dem Gastraum dahin; über dem Eingang thront ein altes gusseisernes Brauereischild. Den eigentlichen Gastraum betritt man hier rechter Hand.
Der zeigt sich etwas größer und voller – und auch mit mehr Patina behaftet als sein Pendant zwei Häuser nebendran. Wir setzen uns an einen leeren Tisch an der Wand und beobachten das gesellige Treiben. Als erstes Bier genehmigen wir uns ein Neder Klassik aus dem Steinkrug für 3,10 Euro das Seidla – ein Preis, über den man ebenfalls nicht meckern kann; aus Kölner Perspektive schon mal gar nicht.
Später folgen noch ein, zwei weitere Sude zu demselben Preis. Bevor der Abend sich seinem Ende nähert, kommen wir noch mit anderen Gästen ins Gespräch, die es ähnlich wie uns aus Franken und dem Rest Deutschlands nach Forchheim verschlagen hat. Manche wollen am nächsten Tag nach Bamberg auf die Sandkerwa, andere wie wir in der Region Bierwandern.
Obendrein konnte ich in der Gaststätte der Brauerei Neder auch noch einen Glaskrug mit Brauereilogo ergattern – im Gegensatz zum Rivalen Hebendanz. Das freut mich umso mehr, weil ich beim Einkaufen in drei Forchheimer Getränkemärkten zuvor auch einige Neder-Sude ergattert habe, an die ich sonst außer über Bierversender wirklich gar nicht herankomme.
Die Gaststätte der Brauerei Neder erweist sich als Forchheimer Institution mit fast 500 Jahren Tradition – deren Geschichte jetzt hoffentlich nicht endet.
Denn möglicherweise gibt es diese Konkurrenz zweier jeweils fast 500 Jahre alten Brauereien nur zwei Häuser nebeneinander in Forchheim gar nicht mehr lang: Kurz nach unserem Besuch platzte Anfang dieser Woche eine mittlere Bombe: Laut einem Bericht des „Fränkischen Tages“ verlasse der aktuelle Neder-Pächter Rafael Thiermeyer die Brauerei noch in diesem Jahr. Ohne einen Nachfolger könne es bald kein Neder-Bier mehr geben, mutmaßt das Blatt.
In einer Facebook-Diskussion angestoßen von der ehemaligen Forchheimer Bierkönigin Melanie Streit diskutieren Kenner der lokalen Brauereiszene über die Hintergründe. Demnach seien in dieser „Museumsbrauerei“ enorme Investitionen notwendig, um weiter Bier brauen zu können. „Damit ist das wahrscheinliche Ende der nächsten Forchheimer Brauerei besiegelt“, kommentiert der stets gut informierte Georg Lechner.
Man mag sich kaum ausmalen, was ein Aus der Gaststätte der Brauerei Neder für die Stadt sowie die gesamte fränkische Bierszene bedeuten würde – immerhin ist die erstmals im Jahr 1554 urkundlich erwähnte Braustätte die älteste Brauerei Forchheims. Ich werde die verschiedenen vor Ort erstandenen Neder-Biere also mindestens mit einem weinenden Auge verkosten…
In diesem Sinne – wohl bekommt’s.
Alaaf & Jrooß us Kölle!
Weitere Informationen: Brauerei Neder