Zur Schließung der Brauerei Herold in Büchenbach: Eine Ode an die fränkische Kleinbrauerei

Letzter Besuch in der Brauerei Herold von FrankenBierFreund

Servus liebe Frankenbier-Gemeinde,

bei meiner Premiere Mitte Mai hatte ich mir felsenfest vorgenommen: Bei der Brauerei Herold in Büchenbach werde ich definitiv noch mal einkehren. Gut drei Woche später, am Pfingstsamstag Anfang Juni, ist es dann tatsächlich so weit: Mein fränkischer Kumpel und ich wandern von Lindenhardt aus den Bierquellenwanderweg gegen den Uhrzeigersinn und erreichen die Brauerei Herold am Nachmittag als dritte von vier Stationen.

Wappen Brauerei Herold von FrankenBierFreund„Ihr wart doch gestern in Schlüsselfeld“, begrüßt uns der Kellner. Er stammt aus Hessen und arbeitet seit vier Jahren beim Herold. Von unserem Besuch in der Gastwirtschaft Scheubel von Stern-Bräu im südwestlichen Teil des Landkreises Bamberg am Abend zuvor hat er aufgrund meines entsprechenden Beitrags in der Frankenbier-Gruppe auf Facebook gelesen. „Da bin ich nur sowas wie ein anonymer Beobachter, bekomme aber einiges mit“, grinst er.

Gleichwohl ist der Anlass jenes Besuchs über Pfingsten ein trauriger: Denn schon damals ist klar, dass die Brauerei Herold Ende August für immer ihre Pforten schließen würde – was am heutigen 31. August dann leider wirklich der Fall ist. Und so möchte ich diesen traurigen Tag zum Anlass nehmen, um gewissermaßen einen Nachruf auf die Brauerei Herold zu verfassen – oder eine Ode an die fränkische Kleinbrauerei.

Brauereien in Franken

Denn obwohl ich mich erst seit zwei Jahren näher mit der fränkischen Bierszene befasse, ist das Brauereisterben auch in Franken real. Allein in diesem Jahr haben neben der Brauerei Herold zwei weitere Brauereien dicht gemacht: Ende Mai wie länger angekündigt die Brauerei Lang in Schönbrunn im Fichtelgebirge; zuvor Mitte April relativ unbemerkt und urplötzlich das Brauhaus Binkert aus Breitengüßbach im Bamberger Land.

Damit vollzieht sich ein Trend ungebremst weiter, den Robert Pawelczak unter dem Titel „Die Fränkische Schweiz – Land der Brauereien“ schon im September 2019 ausführlich beschrieben hat: Demnach hat sich die Zahl der Brauereien zwischen 1966 und 2016 in Franken insgesamt von gut 630 und in Oberfranken von 400 auf je ein Drittel des Ausgangsbestandes (rund 220 Franken, 150 Oberfranken), in Mittel- und Unterfranken auf je die Hälfte – bei allerdings bereits niedrigerem Brauereienbestand – reduziert (siehe Grafik).

Brauerei Herold StubePreisdruck, Konzentration im Markt und Innovationsstau mit teils notwendigen Investitionen in Millionenhöhe sorgen laut Pawelczaks Analyse seit Jahrzehnten für das Verschwinden vieler kleinerer Brauereien, gerade auch in Regionen mit hoher Brauereidichte wie eben der Fränkischen Schweiz. Zugleich setzt den Brauereien die seit Jahren schwindende Trinklaune der Deutschen zu: Allein zwischen 2000 und 2024 sackte der durchschnittliche Bierkonsum pro Kopf und Jahr um satte 30 Prozent auf zuletzt nur noch 88 Liter.

Auch die Chefs und Inhaber Richard und Rudolf Hopf schrieben Ende Januar bei der Verkündung ihrer Betriebsschließung, „aufgrund der verschärften Marktsituation und einem dringenden millionenschweren Investitionsbedarf in Technik und Gebäude“ sähen die beiden „keine Perspektive das Ganze seriös zu stemmen“.

Bei den Herolds soll dies aber gar nicht der ausschlaggebende Grund sein: Vielmehr knappst der Betrieb seit langem an einer angespannten Personaldecke bei anhaltend hohem Gästeaufkommen. Deswegen sähen sie sich zur Schließung gezwungen, wie die Schwestern und Inhaberinnen Gisela Herold und Regina Haas im Februar dieses Jahres verkündeten. Hinzu sollen dem Vernehmen nach auch innerfamiliäre Gründe kommen, die hier aber nicht näher beleuchtet werden sollen.

Tatsächlich ist auch bei unserem Besuch in der Brauerei Herold am Pfingstsamstag das Wirtshaus sehr gut besucht. So als wollten alle noch einmal die sagenumwobenen Bratkartoffeln des Hauses verkosten, bevor in Büchenbach die Küche für immer kalt bleibt – vom legendären Lagerbier, auch Büchenbacher Beck’n Bier genannt, ganz zu schweigen.

FrankenBierFreund trinkt Büchenbacher Beck'n BierDas habe ich leider erst Anfang Mai dieses Jahres erstmals verkostet – zunächst bei dem kurzen Abstecher auf meiner ersten Tour in der Fränkischen Schweiz, bei der ich aber mit dem Auto unterwegs war und nicht mehr genießen konnte. Immerhin hatte ich mir damals genauso wie beim zweiten Besuch ordentlich Flaschenbiere mitgenommen. Wie bei meiner Rezension geschrieben, ist das Herold-Bier für mich tatsächlich so etwas wie der Prototyp eines dunklen fränkischen Lagers.

Von dem wir uns an jenem Samstag Anfang Juni dann auch noch einige zu Gemüte führen. Auch wenn es auf dem Foto nicht danach ausschaut: Mich macht jede Brauereischließung traurig, die der Brauerei Herold aber ganz besonders: Schließlich hat der Familienbetrieb, dieser Prototyp einer fränkischen Kleinbrauerei, mehr als 450 Jahre allen Widrigkeiten getrotzt, den Großbrauereien ebenso wie irgendwelchen Modetrends in der Bierszene. Bereits seit dem Jahr 1568 verfügt diese Braustätte über das Schank-, Brau- und Backrecht – eigentlich kaum vorstellbar, dass diese Tradition jetzt enden soll.

Büchenbacher Beck’n Bier der Brauerei Herold – oder. Der Prototyp eines dunklen fränkischen Lagers vom Prototypen einer fränkischen Kleinbrauerei.

Büchenbacher Beck'n Bier bei der Brauerei Herold von FrankenBierFreundAm Pfingstsonntag sind mein fränkischer Kumpel und ich noch einmal mit dem Auto nach Büchenbach zurückgekehrt. Denn wir wollten wenigstens die Privatvorräte am Herold-Lager noch ein letztes Mal auffüllen. Diese Biere sollen, zusammen mit einem halben Kasten Büchenbacher Bock, der noch in meinem Kölner Keller steht, die Trauer die kommenden Wochen „a weng“ lindern.

Ansonsten kann für mich die Lehre aus dieser Geschichte nur lauten: Ich werde noch mehr als bisher darauf achten, die fränkischen Kleinbrauereien zu unterstützen, sei es durch Käufe, sei es durch Social Media – und auch durch meinen bescheidenen Beitrag mit meinem Frankenbier-Blog. Auf dass möglichst viele von ihnen davor verschont bleiben, dereinst das gleiche Schicksal der Brauerei Herold in Büchenbach zu ereilen.

Beim Abschied am Pfingstsamstag erwähnt der Kellner noch mein Selfie mit seinem Boss und Brauerei-Seniorchef Hans Herold von Mitte Mai. Das hat er mitbekommen, weil ich es neben der Verewigung als Blog-Betrag ebenfalls in besagter Frankenbier-Gruppe auf Facebook veröffentlicht hatte: „Da kannste echt stolz drauf sein, sowas macht der sonst nie.“ Immerhin, ein kleines Trostpflaster also als Erinnerung an die besondere Brauerei Herold…

In diesem Sinne – wohl bekommt’s.
Alaaf & Jrooß us Kölle!

Mehr Informationen: Brauerei Gasthof Herold

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